Allergie-Beratung

Allergische Reaktionen gehören zu den häufigsten Symptomen der immunologischen Dysbalance. Etwa ein Drittel der Bevölkerung leidet unter der Volkskrankheit Allergie. Ca. 30 Millionen Bundesbürger sind allergisch sensibilisiert, 12 Millionen leiden unter Heuschnupfen und ca. 4 Millionen Patienten sind an Asthma bronchiale erkrankt. Der Prozentsatz der Patienten mit Nahrungsmittelallergien wird in der Literatur mit z.T. über 10% in der Bevölkerung angegeben.

Die Bedeutung der intestinalen Allergie für den allgemeinen Sensibilisierungsprozess des Allergikers wird häufig unterschätzt. Gemeinsame Epitope zwischen Nahrungsmitteln und exogenen Allergenen können für das Auftreten von Kreuzallergien sorgen. Dadurch wird bei Patienten mit exogener Allergenisierung gegenüber bestimmten Pollen auch nicht selten eine gewisse Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln beobachtet (orales Allergiesyndrom). So weisen z.B. Birkenpollenallergiker zwischen 50-70% auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf (Eriksson et al 1982). Es scheint daher möglich, dass intestinale Allergien auch als Wegbereiter einer Pollinosis fungieren (Pollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie) bzw. der Sensibilisierung mit exogenen Allergenen Vorschub leisten können (Saval et al 1993). Aufgrund der bestehenden Kreuzreaktionen können insbesondere während der Pollenflugzeit additive Belastungen auftreten (Bruckbauer et al 1999).

Tabelle: Kreuzallergien zwischen exogenen Allergenen und Nahrungsmitteln (Nach Dr. Schütz)

Pollen- und Gräser-

Allergien

ögliche kreuzallergene Reaktion mit Nahrungsmittelallergen

Birke

Grüner Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Haselnuss, Walnuss, Karotte, Sellerie, Tomate, Gewürze)

Eiche

Apfel, Anis, Haselnuß, Walnuß, Karotte, Sellerie, Kernobst, Nüsse

Erle

Apfel, Anis, Haselnuß, Walnuß, Karotte, Sellerie, Kernobst, Nüsse

Gräser

Erdnuß, Soja, Tomate, Sellerie, Kernobst

Roggen

Getreide, Hülsenfrüchte, Soja, Bohne, Banane, Melone

Weizen

Hülsenfrüchte, Soja, Banane, Melone

Diagnose Allergie

Gegenüber den klassischen Allergien müssen Idiosynkrasien unterschieden werden, die die eine andere Pathogenese aufweisen. Letztere treten als qualitativ abnorme Empfindlichkeitsreaktionen auf und sie sind häufig die Folge von pseudoallergischen Reaktionen nach Verzehr von Lebensmittelzusatzstoffen (Konservierungsstoffe, Farbstoffe und Geschmacksstoffe. Als Auslöser von Intoleranzen spielen weiterhin auch biogene Amine wie Histamin oder Tyramin in Käse und Fischfleisch eine Rolle.

Die Diagnose einer klassischen Lebensmittelallergie ist in der Praxis schwierig zu stellen, da sie selten einem Alles-oder Nichts-Gesetz unterliegt und akut, subakut oder chronisch verlaufen können. Aus diesem Grund liegt nicht selten ein langer Zeitraum zwischen Beschwerdebeginn und Diagnose. Die Probleme bei der Diagnostik von Nahrungsmittelallergien beruhen auf der Vielfalt klinischer Reaktionsweisen und auf der Vielzahl möglicher Auslöser (Nahrungs- und Genußmittel, Bestandteile, Zusatzstoffe etc (Thiel 2001).

Die vielfältigen Pathomechanismen und die Inkonstanz und Variabilität der klinischen Symptomatologie von Nahrungsmittelallergien erschwert häufig die Diagnose. Symptomarme subklinische Verläufe bleiben daher manchmal für lange Zeit unerkannt. Der uncharakteristischen Symptomatologie steht eine breite Palette verschiedener gastrointestinaler Differentialdiagnosen gegenüber, so dass der Verdacht erst nach umfangreicher Ausschlußdiagnostik erhoben wird. Für die spezifische Reaktion sind der jeweilige Sensibilisierungsgrad und die unterschiedliche allergene Potenz sowie die Höhe der Allergenzufuhr verantwortlich. Auf die Symptomatik nehmen weiter Zubereitungsformen des allergenen Nahrungsmittels (roh, gekocht) und die mögliche Summation durch den gleichzeitigen Genuß mehrerer unterschwelliger Allergene Einfluß. Die Symptomatik der Nahrungsmittelallergien wird ferner durch individuelle konditionierende Faktoren, wie z.B. der Exposition mit Pollenallergenen oder unspezifischen Trigger-Faktoren (Alkohol und Gewürze) bzw. durch hormonelle Schwankungen beeinflußt (Thiel 1988 und 2001).

Für die Diagnose einer intestinalen Allergie bedarf es grundsätzlich nicht eines einzelnen Kriteriums sondern einer Vielzahl objektivierbarer Kriterien. Die Diagnose von Nahrungsmittelallergien ist u.a. im Hauttest möglich. Dabei erschweren aber die Instabilität mancher Nahrungsmittelallergene und unspezifischen Hautreaktionsweisen bei Atopikern die Diagnose im Hauttest (Aiuti und Paganelli 1983, Renz 2000, Wüthrich 1993). So weisen Neurodermitiker in bis zu 65% falsch positive Reaktionen auf getestete Nahrungsmittel auf (Bruckbauer et al 1999). Die serologische Antikörperbestimmung liefert gegenüber dem Hauttest als therapeutische Verlaufskontrolle bei Allergenkarenz quantifizierbare Untersuchungsergebnisse (Jäger und Wüthrich 1998). Allerdings liegt der prädiktive Wert eines positiven RAST auch nur unter 50%.

Beim Radio-Allergo-Sorbent-Test (RAST) werden spezifische Allergene an eine Matrix gekoppelt und mit dem Patientenserum inkubiert. Sind spezifische IGE-AK im Serum vorhanden, binden sie das Antigen und können mit einem Antiserum radioaktiv oder enzymatisch nachgewiesen werden. Der RAST ermöglicht den Nachweis spezifischer AK bei Sofort-Typ-Allergien. Hiermit können sowohl Allergien vom Soforttyp (IgE) als auch verzögerte bzw. maskierte IgG-vermittelte Allergien diagnostiziert werden (Martin 2002).Letztere können zeitversetzt innerhalb 8-72 h nach der Nahrungsaufnahme auftreten. Im CAST werden allergische Reaktionen indirekt über die Messung von Sulfidoleukotrienen erfasst. Als Therapiekontrolle eignen sich ferner neben diesen klassischen Parametern auch moderne Bestimmungsmethoden, wie das Histamin und das Eosinophile Cationic Protein (ECP). Histamin zählt zu den wichtigsten Mediatoren des Gastrointestinums und des Immunsystems. Es entsteht durch enzymatische Decarboxylierung der Aminosäure Histidin. Histamin kommt in allen Zellen vor, besonders in den metachromatischen Granula der Mastzellen und der basophilen Granulozyten. Es besitzt eine zentrale Bedeutung für die Anaphylaxie.

Als Gewebshormon, das in den Granula der IGE-beladenen Mastzellen und basophilen Leukozyten gebildet wird, steuert Histamin multiple Reaktionswege der Allergie. So reagiert Histamin mit H1-Rezeptoren im Gewebe und fördert ebenfalls die Kapillar- und Schleimhautpermeabilität im Intestinum. Ausserdem trägt Histamin zur Ödematisierung der Schleimhaut und Reizung sensibler Nervenfasern bei. Die gesunde Dünndarmschleimhaut ist in der Lage, bis zu 60% des Nahrungshistamins zu binden, so dass nur etwa 40% resorbiert werden. Diese Bindungsfähigkeit der Darmschleimhaut ist allerdings starken Schwankungen unterlegen.

Tabelle: Untersuchungsparameter bei Allergien und entsprechende Untersuchungsmedien

RAST

Serum

CAST

Serum

Methylhistamin

Urin und Stuhl

Alpha-1-Antitrypsin

Stuhl