Nahrungsmittelunverträglichkeit

Es gibt verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Sie können einerseits auf eine Spaltung von Kohlenhydraten (Laktose,Fruktose) oder auf andere Inhaltstoffe Lebensmittelzusatzstoffe bzw. Inhaltstoffe z.B. Histamin ) beruhen. Die Grenze zur Allergie ist häufig nur durch spezialverfahren zu ziehen. Die Symptome (Übelkeit,Durchfall, Verstopfung,Blähungen) können ganz unterschiedlich in der Intensität und Zusammensetzung auftreten. Zur Abgrenzung chronischer oder konsumierender Erkrankung ist eine entsprechende Abklärung durch den Fachmann wichtig. Zur Anwendung kommen dabei Stuhl-, Blutuntersuchungen. Bei weiteren Verdacht werden auch bildgebende Untersuchungstechnicken eingesetzt oder ein Gastroenterologie wird in die Diagnostik mit einbezogen.

Die Bedeutung der intestinalen Permeabilität im Allergiegeschehen
Die Grundlage einer allergischen Sensibilisierung gegenüber Lebensmitteln liegt häufig in einer vermehrten intestinalen Permeabilität, die zu vermehrtem Allergenkontakt im Rahmen des Leaky gut Syndroms beiträgt (Muss et al 2002). Aufgrund der daraus resultierenden vermehrten intestinalen Resorption von Nahrungsmittelbestandteilen kommt es zur Überforderung regulatorischer T-Zellen in der Darmschleimhaut (Roncarolo und Levings 2000,Groux 2001,Weiner 2001). Dieser Zustand kann zu Induktion der Sensibilisierungskaskade beitragen und schließlich in einer manifesten Lebensmittelallergie münden. Resultierende Antigen-Antikörper (IgG-) Komplexe steigern im Gewebe die Phagozytose neutrophiler Granulozyten und führen über die Feisetzung von Sauerstoff-Radikalen zur Expression inflammatorischer Zytokine wie TNFa (Malech 1987).
Der Integrität der intestinalen Schleimhaut kommt daher bei entzündlichen Irritationen der Mukosa eine Schlüsselrolle zu. Die durch Allergenkontakt ausgelösten Entzündungsreaktionen tragen zur vermehrten Permeabilität der Schleimhautbarriere im Intestinum bei. Die reduzierte Barrierefunktion unterstützt den unphysiologischen Antigenstress, was wiederum Entzündungsvorgänge induziert (Schreiber und Raedler 1993, Gebblers und Laissue 1984 a und b, Pabst 1984). Die Enterozyten der intestinalen Schleimhaut schützen normalerweise über die mikrovillöse Lumenoberfläche mit sekretorischer IGA-Bildung den Organismus vor übermäßigem Antigenkontakt (Wüthrich und Jäger 1998). Eine Störung der intestinalen Permeabilität kann zur vermehrten Allergenexposition beitragen und damit den Sensibilisierungsprozess bei Allergikern fördern (Ionescu 2001 (b), Muss 2002). Besondere Zellstrukturen unter den Enterozyten (M-Zellen) tragen zur Resorption dieser Allergene bei. Unmittelbar unter den M-Zellen befinden sich lymphoide Aggregate die eine MHC II-Expression aufweisen. Unter den Lymphozyten befinden sich B- und T-Lymphozyten (CD-4+-Zellen), die sowohl der Th1- als auch der TH2-Subpopulation angehören. Bei Atopikern machen allerdings Th2-Zellen einen wesentlichen Anteil aus. Mehr als 90% der T-Zellen tragen als Gedächniszellen CD 45R0-Marker. Die TH2-Stimulation über IL–4 und IL-13 führt zur vermehrten Bildung von IGE-Antikörpern.IFN-g und TGF-ß verhindern diesen Shift (Duchmann et al 1999).
Auch eine intestinale Darmdysbiose der Patienten kann möglicherweise zur vermehrten Th2-Regulation der Immunantwort mit konsekutiver Plasmazellreifung und IGE-Antikörperproduktion beitragen (Rusch 1994, Peters und Zimmermann 1996, Buck 1998, Heizmann 1997a und 1997b).
Laborparameter bei erhöhter intestinalen Permeabilität im Allergiegeschehen
Eigene Untersuchungen hatten bereits auf die besondere Bedeutung des gastrointestinalen Immunsystems bei der Abwehr solcher Hefen hingewiesen. Die Anzahl der Patienten mit Hefepilzen in den Stuhlproben korrelierte signifikant invers mit der sIGA-Ausscheidung in den Stuhlproben (Muss et al 2000).
Zur Einschätzung der intestinalen Permeabilität und des daraus resultierenden Sensibilisierungsrisikos eignet sich die Bestimmung des alpha-1-Antitrypsins in Stuhlproben der Patienten. (Muss et al 2002 (a)).
Das alpha-1-Antitrypsin stellt einen primären Inhibitor der Elastase von polymorph-kernigen neutrophilen Granu­lozyten (PMN) dar, das im Rahmen von inflammatorischen Prozessen freigesetzt wird. Es sorgt dafür, dass die proteolytische Aktivität der PMN-Elastase im Entzündungsgebiet begrenzt wird und besitzt dadurch eine wichtige regulatorische bzw. antiinflammatorische Rolle. Alpha-1-Antitrypsin wird hauptsächlich in der Leber synthetisiert und anschließend in den Darm sezerniert, wo es ohne tryptische Spaltung oder Resorption mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Bei einer Molekülgröße von ca. 52 kD tritt es bei nicht intakter Darmschleimhaut vermehrt in das Darmlumen über und kann im Stuhl als Marker einer erhöhten Schleimhautpermeabilität nachgewiesen werden.
In einer eignen Studie mit n= 43 Patienten (mit physiologischer Aktivität der Diaminooxdiase) korrelierte die intestinale Permeabilität bemessen am Alpha-1-Antitrypsin in Stuhlproben signifikant positiv mit der Histaminausscheidung im Urin (Morgenurin) p< 001; (Korrealtion nach Pearson R= 0,520 2-seitig).
Abb. Korrelation Alpha-1-Antitrypsin in Stuhlproben und Histamin im Morgenurin bei Atopikern
Histaminerhöhung gehen häufig mit allergischen Symptomen einher. Ein erhöhter Histaminspiegel wird häufig bei Enzymangel (Diaminooxidase) beobachtet und wird als Histaminintoleranz bezeichnet. Dabei ist das Histamin für viele Reaktionen des Körpers bei einer Allergie verantwortlich. Zum Beispiel: Hautrötung, Schwellung, Verengung der Luftröhre, Erhöhung der Durchlässigkeit für Flüssigkeit aus den Blutgefäßen. Vor allem an den Schleimhäuten von Darm, Auge, Nase und Bronchien sowie an der Haut kommt es zu heftigen Reaktionen. Durchfall, tränende Augen, laufende Nase, Asthma-Anfall mit Luftnot, Ausschlag, Rötung, Schwellung und Jucken der Haut sind die Folgen. Bei der so genannten Histaminintoleranzen können Histsaminbelastete Lebensmittel infolge einer eingeschränkten Diaminooxidasefunktion nicht genügend abgebaut werden. Die Patienten leiden bei Verzehr histaminhaltiger lebensmittel unter den o.e. Symptomen ohne das eine lebensmittelsensibilisierung vorliegen muss.
Die Histaminerhöhung bei den untersuchten Atopikern trat in einer Gruppe auf, die keine oder nur gering erhöhte IgE-vermittelte Reaktionen gegenüber Lebensmitteln oder anderen exogenen Allergien aufwiesen. Allerdings wies diese Gruppe erhöhte RAST-Klassen aus dem Bereich von IgG4 auf.
Hohe IgG4-Werte – wobei das Gesamt IgG nicht zwangsläufig erhöht sein muss – gehen meist mit einer erhöhten Permeabilität der Mucosa einher, so dass Nahrungsmittelallergene die Darmschleimhaut passieren. Es entstehen Antikörper, die mit dem Allergenen Komplexe bilden. Können diese durch das RES (Retikuloendotheliale System) nicht mehr abgebaut werden, kommt es zu Ablagerungen in den Geweben und Krankheitserscheinungen mit unterschiedlichster Symptomatik. Die Krankheitssymptome treten meist erst Stunden oder Tage nach dem Verzehr der entsprechenden Nahrungsmittel auf. Da IgG4-Antikörper auch zur Degranulation von Mastzellen führen können, kann es offensichtlich auch bei IgG4vermittelten Reaktionen zur Histaminausschwemmung mit entsprechenden Symptomen können. Dieses Ergebnis widerspricht der These, dass nur IGE vermittelte Reaktionen zu histaminergen Reaktionen führen (Renz 2003).
Bei entsprechend erhöhtem Alpha-1-Antitrypsin bzw. Methylhistamin im Urin (Cave: Ausschluß bakterielle Verunreinig!) empfiehlt sich im Anschluss an diese Voruntersuchung die Differenzierung der einzelnen Allergiepools im Vorscreen. Diese Untersuchung ermöglicht einen direkten Vergleich der möglicherweise am Sensibilisierungsprozess beteiligten Allergiepools (IgG4/IgGE).
Die Differenzierung des entsprechenden Pools kann zur Planung einer Nahrungskarenz bei relevanten Vorbefunden angefordert werden. Mit diesem Befund ist eine Übersicht der relevanten Sensibilisierungen möglich.
Bei der folgenden Ernährungsberatung wird entsprechend dem Befund eine Lebensmittelkarenz empfohlen. Weiterhin sollte bei der Ernährungsberatung auf mögliche Kreuzallergien mit exogenen Allergenen bzw. Idiosynkrasien geachtet werden. Die Besprechung schliesst den individuellen Bedarf mit ein. Insbesondere wird darauf Wert gelegt, das keine Mangelsituationen entstehen.
Die Kontrolle der Nährstoffbilanzen erleichtern PC-Programme wie z.B. DGE professionell. Bei diesen Programmen werden Verzehrprotokolle der Patienten ausgewertet und mit den Empfehlungen der DGE zur Einnahme von Makro- und Mikronährstoffen verglichen. Zur Vermeidung einseitiger und belastender Ernährungsformen sollte in der Ernährungsberatung in jedem Fall soweit wie möglich auf eine ausgeglichene und vielseitige Diät Wert gelegt werden. Im Bedarfsfall sollte auch eine bedarfsgerechte Supplementierung mit Mikronährstoffen erfolgen. Sofern sich diese Gabe an die oft gestört vorliegenden intestinalen Resorptionsverhältnissen orientiert kann dadurch auch zur Integrität der Darmmukosa bei allergischen Erkrankungen beigetragen werden. Diese Maßnahmen werden im folgenden Artikel diskutiert.