Mikronährstoffmedizin

Orthomolekulare Medizin oder Mikronährstoff Medizin bedeutet „Prävention und Therapie mit Mikronährstoffen“. Sie arbeitet in erster Linie mit „essentiellen“ und lebensnotwendigen Bausteinen, die der Mensch in ausreichender Menge und richtiger Zusammensetzung benötigt und meist über die Nahrung zuführen muss. Sie ist definiert als „die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind.“ (Linus Pauling, Science 160, 265/1968). Dieses Wissen ist eigentlich schon seit dem Altertum in der Heilkunde bekannt und schon Hippokrates forderte: „Eure Ernährung sollte Eure Medizin sein“.

Als Folge der moderenen Ernährungsgewohnheiten und der „Errungenschaften“ der weltweit agierenden Lebensmittelindustrie mit ihren vielfältigen Eingriffen in die natürliche Entwicklung und die Haltbarkeitsdauer unserer Lebensmittel sind wir allerdings – im Gegensatz zur übermäßigen Versorgung mit Makronährstoffen – häufig nicht mehr in der Lage, den unseren hohen Ansprüchen in den hochentwickelten Zivilisationsländern entsprechenden optimalen Bedarf an Mikronährstoffen allein durch die Ernährung abzudecken. Insbesondere bei Situationen mit erhöhten Anforderungen wie Krankheit und Medikamenteneinnahme, übermäßiger psychischer und körperlicher Belastungen, Alter, Schwangerschaft oder Stillzeit produziert unsere Ernährung immer wieder kleine „Versorgungslücken“, die im Laufe der Zeit kumulieren. Sie führen mit einer gewissen Latenz zunächst zu Einschränkungen der Vitalität, sind beteiligt an der Entwicklung degenerativer Erkrankungen (long latency deficiency diseases) und können in schweren Fällen Mangelerkankheiten auslösen (short latency deficiency diseases). Diese Entwicklung kann durch eine bedarfsdeckende Mikronährstoffzufuhr verhindert oder zumindest aufgehalten werden bzw. durch eine Zufuhr in therapeutischen Dosierungen rückgängig gemacht werden.

Die orthomolekulare Behandlung besteht in einer Zufuhr körpereigener, orthomolekularer Substanzen in der richtigen Menge und Kombination.? Der Organismus ist bei der Nutzung von Mikronährstoffen um ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Zufuhr und Verbrauch bemüht. So wie die Zufuhr infolge individueller Ernährungsgewohnheiten unterschiedlich ist, unterliegt auch der Verbrauch bestimmten Kriterien und ist damit individuell sehr unterschiedlich. Neben wechselnden Lebensumständen und Lebensphasen, die zu einem erhöhtem Bedarf führen, erhöhen beeinflussbare und nicht beeinflussbare Umweltfaktoren den Verbrauch an Mikronährstoffen. Auch genetische Polymorphismen können eine Rolle spielen und führen z.B. zu individuell unterschiedlichen Aktivitäten bzw. unterschiedlicher Expression von Enzymen (wie die an der Entgiftungskette beteiligten Enzymsysteme oder die antioxidativen Enzyme). Dies kann wiederum zu unterschiedlich erhöhtem Bedarf an Mikronährstoffen führen, da einige von ihnen als Cofaktoren für von Enzymen gesteuerte Vorgänge benötigt werden. Optimale Gesundheit und Widerstandskraft gegen Erkrankungen werden der Definition der Orthomolekularen Medizin gemäß demnach nur dann erreichbar, wenn möglichst „alle essentiellen körpereigenen Substanzen in der richtigen Menge und Kombination im Organismus“ vorhanden sind.

Die Mikronährstoffmedizin zielt zunächst auf eine Verbesserung der Vitalstoffbilanz zur Erhaltung der Gesundheit und Optimierung von Vitalität und Leistungsfähigkeit. Weiterhin wird die Verzögerung von Alterungsvorgängen angestrebt. Die Mikronährstoffmedizin ist auch eine wesentliche Grundlage der Prävention von lebensstilbeeinflussten Erkrankungen. Sie trägt z.B. zur Verhinderung bzw. dem Hinausschieben der Entstehung oder des Fortschreitens von Krebs- und Herzkreislauferkrankungen oder zur Stärkung des Immunsystems bei. In höheren Dosierungen wird sie allein oder in Kombination mit anderen Maßnahmen erfolgreich zur Behandlung von akuten und chronischen Krankheiten eingesetzt. Sie zeigt insbesondere häufig auch noch gute Ergebnisse bei Erkrankungen, für die sonst keine befriedigenden Therapieoptionen bestehen.

Zu den orthomolekularen Substanzen zählen definitionsgemäß Stoffe, die natürlicherweise im menschlichen Organismus vorhanden sind und für die Aufrechterhaltung bzw. Optimierung aller Körperfunktionen benötigt werden („essentielle“ Stoffe). Hierzu gehören in erster Linie Vitamine, Vitaminoide, Mineralstoffe, Spurenelemente, Fettsäuren und Aminosäuren, aber auch Sekundäre Pflanzenstoffe, Enzyme, Probiotika usw. (vgl. Abb 1). Sie können zum Teil vom Körper selbst synthetisiert werden oder müssen durch die Nahrung aufgenommen werden.

Einige Mikronährstoffe erfüllen die Funktion als Antioxidantien. Antioxidantien schützen die Zellen vor dem Angriff freier Radikale, indem sie die Oxidation von Lipiden und anderer Moleküle verzögern oder verhindern.

Antioxidantien wie Vitamin A, C, E, Beta-Karotin und das Spurenelemente Selen helfen die freien Radikale im Organismus abzubauen und hemmen die Nitrosaminbildung im Darm. Freie Radikale sind kleine aggressive Moleküle, die täglich im Körper als Stoffwechselspaltprodukte unter der Einwirkung von Umweltgiften, Ernährungsfehlern, Alkohol, Zigaretten, Stress etc. entstehen und die Zellwände und das Erbgut schädigen können. Sie fallen aber auch vermehrt bei der Strahlen- und Chemotherapie an.

Wo sind die Antioxidantien enthalten?
Den höchsten Gehalt an Vitamin C weisen Paprika, Brokkoli, Melonen und Spinat auf. Vitamin A ist viel in Lebertran, Fisch, Eiern und Milch enthalten. In Karotten, Kresse, Spinat, Mangos und Melonen findet man einen hohen Beta-Karotin-Gehalt. Vitamin E-haltig sind Soja-und Maisöl, Oliven, Weizen, Mais, Nüsse, Getreide. Selen findet sich viel in Weizenmehl, Knoblauch, Pilzen und Fisch. Aber auch sekundäre Pflanzenstoffe in Obst, Gemüse und Kräuter weisen eine antioxidative Aktivität auf.
Wirkung der einzelnen Antioxidantien

  • Vitamin A: Schutz der Haut- und Schleimhautzellen, Förderung der Regeneration der Zellen, hemmt Tumorwachstum
  • Betakarotin: Vorstufe von Vitamin A, Schutz der Zellen vor Entartung, fördert die Regeneration der Zellen
  • Vitamin C: Stärkung des Immunsystemes durch Aktivierung der körpereigenen Abwehrzellen, Entgiftung von Schadstoffen (Nitrosaminen)
  • Vitamin E: Aktivierung des Immunsystemes, Stabilisierung der Zellwände, entzündungshemmend
  • Selen: Bestandteil des Enzymes Gluthationperoxidase, Stabilisierung des Immunsystemes durch die Aktivierung von Abwehrzellen, hemmt das Tumorwachstum, Entgiftung von Schwermetallen

Welche Dosis wird empfohlen?
Diese Frage wird in der Praxis nach Gespräch mit dem Arzt erarbeitet. Folgende Kriterien sind entscheidend:

  • Alter
  • Ernährungszustand und Ernährungsgewohnheiten
  • Erkrankung
  • Gesundheitliche Risiken.

Aufgrund dieser komplexen Zusammenhänge kann auch die individuelle Rezeptierung von Mikronährstoffen vorgenommen werden.
Sie erhalten bei uns auch individuelle Ernährungs Tipps

Z.B. haben auch Küchenkräuter eine höhere antioxidative Aktivität als Obst Phenolsäure und Flavonoide, die in Obst, Gemüse und anderen Pflanzen vorkommen, weisen eine antioxidative Wirksamkeit auf. Aber auch die Flavonoide in bestimmten Kräuter, besonders Rosmarinsäure, haben eine starke und sogar bessere Kapazität, freie Radikale zu absorbieren (sogenannter ORAC Index). Dabei korreliert der absolute Gehalt an Phenolen mit der antioxidativen Aktivität. Auch im Vergleich zu Gewürzen wie Knoblauch, Paprika oder Curry schneiden die Kräuter besser ab. So zeigen Kräuter aus der Oregano Familie wie zum Beispiel Oregano X majoricum, Greek Mountain Oregano und der Mexican Oregano die höchsten ORAC Werte. Oregano hat eine 42 fach höhere antioxidative Aktivität als Äpfel, 30 fach höher als Kartoffel und 12 fach höher als Orangen. Ein Teelöffel frischer Oregano kann so einen Apfel ersetzen. Weitere Küchenkräutern mit einem hohen ORAC Index sind Dill, Rosmarin und Lorbeerblätter.
Im Bereich der untersuchten medizinischen Kräuter zeigten Thymian, Pfefferminz und Johanniskraut die höchste antioxidative Aktivität auf, die aber im Vergleich zu Oregano jeweils geringer ist.

Die Zubereitung ist entscheidend
Kräuter bieten ohne einen großen Gehalt an Kalorien eine ideale Quelle für Antioxidantien. Die Art der Zubereitung ist entscheidend für den Gehalt an Antioxidantien. Frische und unbehandelte Kräuter enthalten mehr Antioxidantien als getrocknete oder sonstig verarbeitete Kräuter. Man kann frische Kräuter direkt auf den Salat streuen oder am Schluss unter das gekochte Essen mischen. Andere Möglichkeiten sind zum Beispiel ein Aufguss von frischen Kräuter mit heißem Wasser als Tee oder in Öl eingelegte Kräuter, die man für Salate und andere Speisen verwenden oder einfach nur mit frischem Brot genießen kann.